Witten – Mit gleich zwei neuen Ausstellungen hat das Märkische Museum Witten am Freitag, 16. Oktober, sein Haus an der Husemannstraße 12 eröffnet. Die Doppelvernissage war nach Angaben der Stadt Witten gut besucht. Gezeigt werden „gehen, bleiben, halten“ sowie „Thresholds of Perception“ („Schwellen der Wahrnehmung“). „Thresholds of Perception“ bildet den Schlusspunkt der Fellowship-Ausstellungen „No end to the road“ im Haus und ist die umfangreichste von ihnen. Beide Ausstellungen laufen bis zum 25. März 2027, der Eintritt ist frei.
Schwarze Perspektiven im Museum
Marny Garcia Mommertz und Naafia Naahemaa haben „gehen, bleiben, halten“ kuratiert. Sie entstand in einer Kooperation, die etwa zwei Jahre dauerte. Am Anfang stand eine Lücke: Schwarze Sichtweisen kommen im Märkischen Museum bisher kaum vor, die Sammlung enthält keine Arbeiten Schwarzer Kunstschaffender. Im Zentrum steht die Frage, ob Schwarze Künstler*innen in Deutschland bleiben können oder gehen müssen.
Black Archive Germany, Maktabe Room, Ethel Tawe und Noemi Weber gehen in ihren Arbeiten der Frage nach, wie man als Schwarze Person bleiben kann, obwohl Museen und andere Einrichtungen nicht selbstverständlich offenstehen. Der Titelbegriff „halten“ meint auch Häuser wie das Märkische Museum selbst. Mommertz nahm deshalb zusätzlich den Bestand unter die Lupe. Sie fand in der Datenbank überholte, rassifizierende Schlagworte und Arbeiten von Kunstschaffenden, die mit der NS- und Kolonialgeschichte verbunden sind.
Museumsleiter Christoph Kohl sagte zur Eröffnung: „Messen Sie uns daran, ob aus diesen Fragen Entscheidungen werden.“ Dazu gibt es ein Kino- und Veranstaltungsprogramm, das auch Menschen in den Blick nimmt, die Rassismus und andere Diskriminierung erleben. Bereits am Abend der Eröffnung wurden Noemi Webers Arbeiten durch eine Performance erweitert.
Das Fellowship-Finale füllt fast eine Etage
„Thresholds of Perception“ belegt fast die ganze erste Ausstellungsetage. Neun frühere und aktuelle Fellows präsentieren Medienkunst, Installation, Video, Klang, Performance und Virtual Reality. Licht, Textil, Projektion, Fotografie und digitale Technik schaffen Erfahrungsräume, die die Wahrnehmung der Gäste fordern und weiten.
Zu sehen sind Werke von Lukas Schäfer (mit Philippe Waldecker), Loreto Plubins und Yvonne Dicketmüller; hinzu kommt der aktuelle Jahrgang 2026 mit Darius Braß, Nicolas Berge, Lenia Friedrich, Meret König, Lennart Miketta und Lex Rütten (mit Jana Kerima Stolzer). Zum Eröffnungsabend kamen auch Weggefährt*innen aus dem regionalen Netzwerk zwischen Köln und Dortmund. Den Abschluss gestalteten die frühere Fellow Matilda Greiner, die unter dem Namen Matildnz auftritt, und Scherwin Hosseini mit elektronischer Musik.
Bis zum Abschluss des Fellowship-Jahres 2026 ist „Thresholds of Perception“ zu sehen. In den nächsten Monaten planen die Künstler*innen mit der Kunstvermittlung des Museums ein Begleitprogramm. An mehreren Winterterminen können Besuchende „becoming resonance“ erleben, ein spielbares, interaktives VR-Werk des Komponisten Nicolas Berge und der Choreografin Miriam Rieck. Museumsteam und Kulturforum Witten AöR bewerten den Eröffnungsabend durchweg positiv.
Das Fellowship wird vom nordrhein-westfälischen Kulturministerium gefördert. Zu den aktuellen oder früheren Projektpartnern zählen das Cologne Game Lab der TH Köln, die Universität Witten/Herdecke sowie die Kulturpolitische Gesellschaft e. V. Das Kulturforum Witten wird von den Stadtwerken Witten und der Sparkasse Witten als Sponsoren unterstützt.
Das Wichtigste
- Zu sehen sind die Ausstellungen „gehen, bleiben, halten“ sowie „Thresholds of Perception“
- Laufzeit: bis zum 25. März 2027
- Ort: Märkisches Museum Witten, Husemannstraße 12
- Eintritt frei
- Termine für „becoming resonance“: gibt das Museum rechtzeitig auf seiner Website bekannt
Was dahintersteckt
Wie die Stadt Witten mitteilt, geht es beim Fellowship für Neue Künste „No end to the road“ seit 2022 darum, im Dialog mit dem Publikum neue Kunstformen experimentell auszuloten und auszuprobieren. In dieser Zeit nahm es 20 Künstler*innen in einjährigen Residenzen in Witten auf.
Zu „gehen, bleiben, halten“ teilt die Stadt Witten mit, das Märkische Museum Witten hinterfrage im Rahmenprogramm die eigene Sammlungspolitik und die bislang begrenzte Sichtbarkeit Schwarzer Positionen. Die Ausstellung versammelt Schwarze und afrodiasporische künstlerische Positionen.
Unser Blick
Bemerkenswert ist, dass das Museum die Prüfung der eigenen Sammlung offen zum Teil der Schau macht. Kohls Satz, man möge das Haus an Entscheidungen messen, ist ein Versprechen mit Maßstab. Offen bleibt, welche Konsequenzen aus den gefundenen Schlagworten und Werken folgen sollen. Dazu nennt die Mitteilung noch nichts.

