Gelsenkirchen – Eine 90-jährige Frau aus Gelsenkirchen ist Opfer eines Schockanrufs geworden. Sie gab Bargeld und mehrere Schmuckstücke an einen Unbekannten an ihrer Haustür ab. Das teilte die Polizei Gelsenkirchen mit. Die Beamten suchen nun Zeugen aus dem Bereich Pfefferackerstraße, Westerholter Straße und Linnefantstraße.
Nach Angaben der Polizei meldete sich am Freitag, 16. Oktober 2026, gegen 15.30 Uhr eine unbekannte Nummer bei der Seniorin. Eine männliche Stimme erzählte, ihre Tochter habe einen tödlichen Unfall verursacht. Damit sie nicht festgenommen werde, brauche sie dringend Geld. Danach reichte der Anrufer das Telefon an eine Person weiter, die weiblich klang. Sie bekräftigte die Geschichte und drängte die Seniorin, zu helfen und die zu Hause aufbewahrten Wertgegenstände zusammenzusuchen.
Rund zwei Stunden später stand ein Mann vor der Tür. Die Frau gab ihm Bargeld und diverse Schmuckstücke, weil sie ihrer Tochter in der vermeintlichen Notlage helfen wollte. Die Polizei bittet alle, die in der Gegend etwas Verdächtiges bemerkt haben oder Angaben zu dem unbekannten Tatverdächtigen machen können, sich zu melden.
Die Polizei beschreibt das Vorgehen so: Die Betrüger geben sich als Verwandte aus und täuschen einen Notfall vor. Den Angerufenen machen sie gezielt Druck und beuten deren Schreck für ihre Zwecke aus. Wer Zweifel hat, soll auflegen, das sei nicht unhöflich und verschaffe Zeit zum Durchatmen. Geld und Wertsachen gehören nie in die Hände Unbekannter. Wer prüfen will, ob wirklich ein Verwandter angerufen hat, ruft unter einer bekannten oder selbst herausgesuchten Nummer zurück. Ältere Familienangehörige sollte man über die Maschen aufklären.
Das Wichtigste
- Tatzeit des Anrufs: Freitag, 16. Oktober 2026, gegen 15.30 Uhr
- Gesucht: Zeugen im Bereich der Pfefferackerstraße, Westerholter Straße und Linnefantstraße
- Kriminalkommissariat 21: 0209 365 8120
- Kriminalwache: 0209 365 8240
Was dahintersteckt
In einer Mitteilung zu einem anderen Schockanruf-Fall in Lünen rät die Polizei Dortmund, sofort aufzulegen, sobald das Gegenüber am Telefon Geld oder Kontodaten verlangt. Auf Gespräche zum Schein sollte man sich nicht einlassen: Die Betrüger könnten die Stimme aufnehmen und später bei nahen Verwandten mit einer KI-Nachbildung anrufen.
Die Polizei weist außerdem darauf hin, dass Betrüger über das Telefonbuch nach Opfern suchen. Sie achten auf Namen, die auf ältere Menschen hindeuten. Die Polizei empfiehlt, zu überlegen, ob ein Eintrag überhaupt nötig ist. Es könne sinnvoll sein, zumindest den Vornamen aus dem Eintrag löschen zu lassen.
Wer einen verdächtigen Anruf erhält, soll nach der Empfehlung die 110 wählen, auch wenn er aufgelegt hat. Auch wenn eine verdächtige Person geklingelt hat, soll die Polizei verständigt werden, egal ob es zu einem Betrug kam. Andernfalls würden die Täter ihre Versuche vermutlich andernorts fortsetzen, sei es im Viertel oder im restlichen Stadtgebiet.
Angehörige und Nachbarn sollen Kontakt halten, Erreichbarkeiten austauschen und sich als Ansprechpartner anbieten. Laut Polizei zögern gerade Ältere oft, sich mit Zweifeln zu melden, weil sie nicht stören wollen.
Unser Blick
Der Fall zeigt, wie gezielt die Täter den Schreck einer Mutter nutzen. Am wirksamsten ist vermutlich eine Absprache vorab: Wer mit Eltern oder Großeltern vereinbart, bei Geldforderungen sofort aufzulegen und die Familie zurückzurufen, nimmt der Masche die Wirkung. Die Mitteilung nennt leider keine Angaben zur Höhe des Schadens.

