Oberhausen – Wie bleibt ein Pflegeheim handlungsfähig, wenn der Strom länger ausfällt und auch Telefon und Mobilfunk nicht mehr funktionieren? Darum ging es beim ersten Netzwerktreffen der voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen in Oberhausen, wie die Stadt Oberhausen mitteilte. Der Fachbereich Zivil- und Katastrophenschutz der Feuerwehr hatte am Mittwoch, 23. September 2026, ins Haus Abendfrieden eingeladen. Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Einrichtungen tauschten Erfahrungen aus, zeigten ihre bisherigen Vorbereitungen und suchten gemeinsam nach Ansatzpunkten, um die Krisenresilienz zu stärken.
Der Hintergrund: Im Ernstfall können Pflegeeinrichtungen nicht darauf bauen, dass sofort externe Hilfe kommt. Sie müssen die erste Phase einer Schadenslage möglichst selbstständig bewältigen. Martin Götzke, Leiter des Fachbereichs Zivil- und Katastrophenschutz der Feuerwehr Oberhausen, sagte in seinem Einführungsvortrag, Pflegeeinrichtungen gehörten zur kritischen Infrastruktur und müssten auch in außergewöhnlichen Situationen funktionieren. Wer umfassende Betreuung, medizinische Versorgung oder technische Unterstützung brauche, könne sich im Krisenfall nicht einfach selbst helfen und sei auf Vorsorge angewiesen.
Lehren aus einem Stromausfall in Berlin
Per Videoschalte nahmen Alina Kregel und Eliza Molska vom Seniorenhaus Waldfriede in Berlin Zehlendorf teil. Sie schilderten den großflächigen Stromausfall, den ihr Haus Anfang 2026, an einem Samstag, erlebt hatte. Betroffen waren Beleuchtung und Wärmeversorgung, außerdem ging weder Festnetz noch Mobilfunk. Einen Notruf abzusetzen war deshalb zunächst nicht sicher möglich. Erst mehrere Stunden nach Beginn erfuhr die Einrichtungsleitung über die Medien, dass der ganze Stadtteil betroffen war. Feuerwehr und Rettungsdienst konnten anfangs nicht unterstützen, das Haus musste weitgehend allein handeln.
Dabei halfen funktionierende interne Strukturen: Alle Beschäftigten kamen zum Dienst, auch Angehörige boten Hilfe an. Batteriebetriebene Weihnachtsbeleuchtungen in den Wohnbereichen dienten kurzfristig als Notbeleuchtung. Gegen die winterliche Kälte setzte das Haus Decken und Wärmeflaschen ein, einige Bewohnerinnen und Bewohner kamen in höhere, wärmere Etagen. Mit der Feuerwehr Berlin war vorab festgelegt, dass eine Räumung nur dann nötig geworden wäre, wenn die Temperatur in den Räumen unter 16 Grad Celsius gefallen wäre.
Vorbereitungen in Oberhausen
Götzke stellte danach die Planungen der Feuerwehr Oberhausen und des Fachbereichs für den Fall vor, dass kritische Infrastrukturen ausfallen oder gestört sind. „Resilienz bedeutet nicht, jede Krise verhindern zu können. Resilienz bedeutet vielmehr, vorbereitet zu sein, im Ereignisfall handlungsfähig zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu finden“, so Götzke. Der Schutz der Bevölkerung sei nicht allein Aufgabe von Feuerwehr und kommunaler Gefahrenabwehr. Bei länger andauernden oder großflächigen Ereignissen komme es sehr auf Eigenvorsorge und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen, Unternehmen, Hilfsorganisationen und weiteren Partnern an.
Andreas Keienburg, kaufmännischer Geschäftsführer des Hauses Abendfrieden, präsentierte das interne Krisenmanagement und die Vorbereitungen für mögliche Versorgungsmangellagen. Sie reichen von Trinkwasser und Lebensmitteln über Medikamente und Hygieneartikel bis zu Wärme, Beleuchtung, Kommunikation und der Sicherung wichtiger betrieblicher Abläufe. Jacqueline Prettenthaler, pflegerische Geschäftsführung des Hauses, sagte, der Austausch mit anderen Einrichtungen und den Gefahrenabwehrbehörden helfe, die eigenen Vorbereitungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Checkliste und Fortsetzung
Dr. Charlotte Weber, Bereichsleitung Gesundheit der Stadt Oberhausen, stellte eine ergänzende Checkliste zur Krisenvorsorge für Pflegeeinrichtungen bereit. Sie soll helfen, die eigene Vorbereitung zu prüfen und Lücken zu erkennen. Im Mittelpunkt stehen Versorgung, Medikamente, Wärme, Beleuchtung, Kommunikation, Notfallkontakte, Hygiene, Betreuung und die Aufrechterhaltung wichtiger Betriebsabläufe.
Das Treffen war der Auftakt für wiederkehrende Gespräche der Oberhausener Pflegeeinrichtungen mit dem Zivil- und Katastrophenschutz. Das Ziel: Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und die Widerstandsfähigkeit der Einrichtungen gegenüber verschiedenen Krisen weiterzuentwickeln. Götzke fasste zusammen: „Niemand kann jede mögliche Krisensituation vorhersehen. Aber wir können uns gemeinsam darauf vorbereiten, was zu tun ist, wenn gewohnte Strukturen plötzlich nicht mehr funktionieren“.
Das Wichtigste
- Ratgeber und Broschüren für Bürgerinnen und Bürger: kostenlos abzuholen an der Feuer- und Rettungswache 1, Brücktorstraße 30
- Verfügbar sind der Krisenratgeber der Stadt Oberhausen (deutsch, englisch, ukrainisch, französisch, arabisch, türkisch) und die Broschüre des Bundes „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“
- Beide sind auch im Internet abrufbar
Unser Blick
Der Bericht aus Berlin macht greifbar, dass Vorsorge oft an Kleinigkeiten hängt, etwa an einer Notbeleuchtung oder einer vorab vereinbarten Grenze für die Räumung. Gut ist, dass das Treffen fortgesetzt werden soll. Offen bleibt, wie verbindlich die Checkliste ist und ob sie auch kleinere Häuser erreicht. Auch Angehörige dürfen sich fragen, wie ihre Einrichtung vorgesorgt hat.

