Essen – Wer einen nahestehenden Menschen verliert, trauert ganz unterschiedlich. Zwei Seelsorgerinnen des Bistums Essen haben zusammengestellt, was Erwachsenen und Kindern danach helfen kann und welche Angebote es gibt. Das teilte das Bistum Essen mit.
Andrea Schlüter aus Mülheim ist ausgebildete Trauer- und Sterbebegleiterin und Resilienztrainerin. Sie sagt: „Trauer hat unendlich viele Gesichter, so viele, wie es Menschen gibt“. Ihre Kollegin Melanie Malitius aus Oberhausen begleitet Kinder, Jugendliche und Familien in Trauerphasen und arbeitet auch als Trauercoachin bei Haustierverlust. Nach ihrer Aussage haben in der Trauer alle Gefühle ihre Berechtigung, auch widersprüchliche. Genannt werden Schock, Schmerz, Schuld, Wut und Verzweiflung, aber ebenso Versöhnung, Liebe und Dankbarkeit. Diese Gefühle könnten sich manchmal täglich ändern.
Die erste Zeit nach dem Todesfall
Die Expertinnen beobachten ganz verschiedene Reaktionen. Manche Menschen „funktionieren“ zunächst im Alltag, andere wirken wie erstarrt. Einige lassen die Trauer zu, andere verdrängen den Tod. Schlüter sieht in dieser ersten Phase die Fachkräfte besonders gefordert, nämlich Ansprechpersonen in Bestattungsinstituten, bei freien Trauerfeiern und in kirchlichen Diensten. Sie sollten genau hinhören, was den Hinterbliebenen für den Abschied wichtig ist, statt Standardprogramme abzuarbeiten.
Beerdigungsfeiern werden im Bistum Essen nicht allein von Geistlichen und hauptberuflichen Seelsorgenden gestaltet, auch geschulte Ehrenamtliche übernehmen sie. Malitius und Schlüter begleiten die Ehrenamtlichen, die in den Pfarreien im Beerdigungsdienst mitarbeiten.
Nach der Beerdigung
Was danach hilft, ist laut Malitius sehr verschieden: Für manche ist der regelmäßige Gang zum Friedhof wichtig, anderen fällt er unmöglich. Manche verbannen alle Fotos der Verstorbenen, andere stellen sie bewusst auf. Schlüter betont: „Trauer ist keine Krankheit, sie muss nicht per se behandelt werden.“ Manche Hinterbliebene finden von allein oder mit Hilfe aus dem Umfeld wieder heraus, anderen tut professionelle Unterstützung von außen gut.
Schlüter rät, sich an die örtliche Caritas, Diakonie, Kirchengemeinde oder einen Hospizverein zu wenden. Die Hilfsangebote der christlichen Kirchen stünden allen offen, unabhängig von Glauben, Konfession oder Religion. Es gebe Trauercafés sowie Gesprächs-, Kreativ- und Aktivangebote für verschiedene Zielgruppen.
Kinder und Trauer
Malitius kritisiert den gut gemeinten Versuch, Kinder von Tod und Abschied fernzuhalten. Dieser vermeintliche Schutz nehme ihnen die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Sie bedauere es, wenn Eltern ihre Kinder etwa nicht zur Beerdigung der Großeltern mitnehmen. Kinder trauerten anders als Erwachsene, man spreche von „Pfützentrauer“: Sie springen in den Schmerz hinein und gleich wieder heraus, um zu spielen und zu lachen.
Einen Zwang zur Teilnahme an der Beisetzung darf es nach Malitius dennoch nicht geben. Sagen Kinder oder Jugendliche deutlich, dass sie nicht mitgehen wollen, sei diese Grenze zu respektieren. Dann könne man abseits der Feier andere Räume öffnen und gemeinsam nach eigenen Ritualen suchen, etwa einen Abschiedsbrief schreiben, eine Erinnerungsbox gestalten oder im vertrauten Kreis still gedenken.
Das Wichtigste
- „Raum für Risse – Wege der Hoffnung“: Abend mit Musik, Gebet und interaktiven Stationen
- Wann: Freitag, 6.11.2026 und Freitag, 5.2.2027, 19 bis 20 Uhr
- Wo: Essener Dom
- Mit: Mitarbeitende der „grüßgott“-Cityseelsorge am Dom, des „team exercitia“ und des Evangelischen Kirchenkreises Essen
- „Trauer to go – Mit der Trauer auf dem Pilgerweg“: Impulse, Stille, Austausch
- Wann: Samstag, 13.3.2027, 10 bis 15 Uhr
- Wo: Startpunkt Essener Dom, Endpunkt Schloss Borbeck, 9 km einfache Wege ohne Steigungen
- Mit: Andrea Schlüter, Melanie Malitius und Schwester Beate Harst
- Infos und Anmeldung: Olivia Klose, Telefon 0201 2204-402, E-Mail [email protected]
- Weitere Informationen: www.team-exercitia.de
- Kontakt Melanie Malitius: Telefon 0208/ 63554140, E-Mail [email protected]
- Kontakt Andrea Schlüter: Telefon 0208/380093, E-Mail [email protected]
Unser Blick
Der Text nimmt Trauernden den Druck, richtig trauern zu müssen, und das ist sein größter Gewinn. Besonders der Hinweis, Kinder weder auszuschließen noch zu zwingen, taugt für Familien als Orientierung. Offen bleibt, wie die Angebote in den einzelnen Städten konkret aussehen. Wer Hilfe sucht, sollte die genannten Anlaufstellen direkt ansprechen.

