Recklinghausen – Wer sich in Recklinghausen für die Geschichte von Wanderung und Zuwanderung interessiert, kann sich für einen Vortrag am Institut für Stadtgeschichte anmelden. Das teilte die Stadt Recklinghausen mit. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Der Vortrag geht vom lateinischen Wort „migrare“ aus, das wandern, wegziehen und übersiedeln bedeutet. Menschen sind nach den Worten der Ankündigung von Beginn der Geschichte an unterwegs. Als Beispiele nennt die Stadt die Bibel, die voll von derartigen Geschichten sei, und die Völkerwanderungszeit zwischen Spätantike und frühem Mittelalter. Wer damals die Heimat verließ, hoffte auf eine bessere, aber stets ungewisse Zukunft.
Auch für Deutschland gilt das. Vom 12. bis 14. Jahrhundert zogen Hunderttausende aus den Kerngebieten des mittelalterlichen Reiches los, um sich im Zuge der sogenannten Ostsiedlung östlich von Oder und Neiße anzusiedeln und neue Städte zu gründen. Später wanderten Millionen in das „Gelobte Land“ Amerika aus.
Daneben gab es laut Mitteilung immer westfälische Wanderarbeiter. Man nannte sie Grenzgänger, sie verdingten sich für wenig Geld. Arme Heuerlinge ließen sich als Wal- oder Heringsfänger anwerben. Umgekehrt kamen Einwanderer ins Land, aus Südeuropa und aus der Türkei.
Der Vortrag beleuchtet außerdem, wie der Begriff Migration heute in Debatten über Überfremdung, Kontrollverlust und Wahlen das demokratische Selbstverständnis berührt.
Das Wichtigste
- Anmeldung: vorab unter [email protected], erforderlich
Was dahintersteckt
Die Ostsiedlung wird auch als Hochmittelalterliche Ostsiedlung bezeichnet. Wikipedia versteht darunter die Zuwanderung von Siedlern, die mehrheitlich Deutsch sprachen und im Hochmittelalter in die Grenzregionen im Osten des Heiligen Römischen Reiches zogen. Die meisten Neusiedler stammten demnach aus dem Westen des Reiches, darunter aus dem Rheinland und aus Westfalen.
Als Motiv nennt der Eintrag unter anderem das Erbrecht: Die Flächen zu Hause wurden immer kleinteiliger, weil der Besitz unter allen männlichen Nachkommen aufgeteilt werden musste.
Heuerlinge beschreibt Wikipedia als landlose Vertragspartner von Bauern. Sie leisteten dem Bauern günstige Dienste und zahlten in Geld und Naturalien. Dafür erhielten sie ein Dach über dem Kopf und Land zur Nutzung. Seit Ende des 17. Jahrhunderts waren Männer aus Heuerlingsfamilien im Münsterland in freier Zeit oft Saisonarbeiter, sogenannte Hollandgänger. Angehörige von Heuerlingsfamilien machten zudem einen Gutteil der Auswanderer aus, die im 19. Jahrhundert vor allem nach Amerika zogen.
Die Migrationsgeschichte der Region ist laut Stadt Recklinghausen ein Schwerpunkt der Dauerausstellung des Instituts für Stadtgeschichte.
Unser Blick
Der Vortrag schlägt einen weiten Bogen von der Bibel bis zur aktuellen Debatte. Spannend wird, ob er die historischen Beispiele wirklich mit der heutigen Diskussion verbindet. Wer teilnehmen will, sollte die Anmeldung nicht vergessen. Ein Termin und ein Ort fehlen in der Mitteilung, dazu müssen Interessierte beim Institut nachfragen.

